Die Entstehung der Ausstellung «R!G!B!»

von Aino Norton, Kuratorin am ddnakw

Die Entstehung der Ausstellung «R!G!B!»

Aino Norton, Kuratorin am ddnakw

(Aino Norton)

Anlässlich meines längeren Urlaubs vor drei Jahren bereiste ich die Vereinigten Staaten von Amerika. Bei der Etappe von L.A. nach Oklahoma machte ich einen Halt in La Cienega in der Nähe von Santa Fe. Bei einem Lunch lernte ich den damals 93-jährigen John Y Smithson kennen. Bei dieser Gelegenheit zeigte er mir eine Zeichnung von – wie er sich erinnerte – Pete S Cave. Dieser soll in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts jeweils pro Jahr für etwa zwei Monate mit zwei Kollegen in dieses einsame Dorf gekommen sein um zu Zeichnen und zu Malen. Auch erinnerte er sich, dass diese drei Herren 2000 Meilen östlich von La Cienega gelebt haben sollen und irgendetwas mit Physik und Mathematik zu tun hatten.

Auf der besagten Zeichnung erkennt man Zahlenreihen, Entwürfe, Formeln und sogar Noten. Oben rechts sind drei Buchstaben (p.s.c) und die Zahl 38 ersichtlich, was auf Pete S Cave und das Jahr 1938 hinweisen könnte.

Nach dem Lunch führte er mich in ein seit langer Zeit verlassenes Lagerhaus. Zu meiner Überraschung befanden sich da einige sehr gut erhaltene grossformatige, teilweise objektartige Gemälde, die sehr stark an Minimalart, Post-Painterly-Abstraktion und Shaped Canvas erinnerten, jedoch mit einer ausgeprägten Farbigkeit in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau. Diese Kunstrichtungen wurden jedoch erst in den 1960er Jahren populär. Sind die entdeckten Werke kunsthistorische Waisenkinder? Auf den Bildern waren keinerlei Hinweise über die Urheber oder den Entstehungszeitpunkt vorhanden. Der einzige Verweis ist die Zeichnung.

Auf der kleinen Zeichnung entdeckte ich beim genauen Beobachten die wichtigsten Elemente der Gemälde, wobei zwei Formeln irritierten. Detaillierte Abklärungen ergaben, dass diese die Kernspaltung darstellen, was auch die Bezeichnung 235U und die Erinnerung von Smithson „Physiker oder Mathematiker“ erklären würde. Und auch den Übergang von klaren, mathematischen Beziehungen geprägten Gemälden zu den „ausgefransten“ Leinwänden. War da etwa die Idee der Kernspaltung die Mutter der Shaped Canvas?

Wie sich Smithson erinnerte, liessen die drei Herren eines Tages einfach alles liegen und sind nie mehr aufgetaucht. Besteht da ein Zusammenhang mit dem in der Nähe liegenden Forschungszentrum Los Alamos?

Uns ist es gelungen, die Werke im ddnakw der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Diese werden ergänzt durch Skulpturen von Hanspeter Keller. Er hat teilweise die Formensprache und mathematische Zusammenhänge von diesen Bildern aufgenommen.

Die Farbigkeit der Werke  (Rot, Gelb und Blau) inspirierte mich zum Titel R!G!B!